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Mühlenwanderung

„ Das Wandern ist des Müllers Lust …“. Fröhlich eingestimmt wandern wir forschen Schrittes zu den Müllern; oder besser ausgedrückt, zu deren ehemaligen Wirkungsstätten. Über knapp zehn Kilometer, ausgenommen des Rückwegs zum Ausgangspunkt, führt uns die „Mühlenwanderung“ durch die idyllischen Täler des Ulmener-, Nollen- und Uessbachs, um auf Umwegen Ulmens ältesten Stadtteil „Meiserich“ zu erreichen. Abgesehen von einem leichten Anstieg im letzten Teil der Route beschreiten wir entlang des Wanderwegs Nr.1 nur ebene Gründe. Wanderfreunden aller Altersgruppen und Geschlechter bietet der Weg ideale Fortbewegungsbedingungen und wenn wir der alten Weisheit Glauben schenken, dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält, lässt sich das unterwegs in einer Gaststätte in Meiserich sehr gut bestätigen.

Mühlen im Besonderen

Reib- und Mahlsteine gibt es seitdem Getreidekörner geerntet werden, und Wassermühlen gehören zur nützlichsten Errungenschaft menschlich erdachter Mechanik – jedenfalls aber zur nachhaltigsten. Kaum Wunder, dass sich unzählige Mythen und auch prägnante ethische Verhaltensformeln um sie ranken. So gebot schon der alte Moses in seinem fünften Buch: „Du sollst nicht zum Pfand nehmen den untersten und obersten Mühlstein, denn der Schuldner hat dir damit die Seele zum Pfande gesetzt“. Offensichtlich verbreitete sich ein Mahl- und Mühlenmythos schnell über die Kulturen des Morgen- und Abendlandes, das sich später auch die christliche Kirche zu Eigen machte und einige der Lehren aus der antiken Zeit übernommen hat. Als ein „Haus voll Glorie schauet“ schmückte sie Mühlen mit ihren Lehren: Aus den vier Fachwerkstützen des Hauses wurden die vier Evangelisten, ihre Fundamente symbolisierten das Christentum. Mit den Mühlsteinen gedachte man den Kirchenlehrern – hatte sie deren vier, waren das Augustinus, Ambrosius, Gregorius und Hieronymus. Wohl wegen seiner zwölf Speichen nannte man das Mühlrad auch die „zwölf Apostel“ und die Kraft des Wassers entsprang dem „Heiligen Geist“. Der Mühlenkasten, in den Gott sein Getreide mühsam hineinschüttet, reflektiert das Leiden des Herrn und das fertige Mehl wurde als der „Leib des Herrn“ empfunden. Die Mühle als Ganzes wurde als Gebäude der Barmherzigkeit angesehen, in der man Maria, die herrlichste Jungfrau erkannte.

Bei soviel sakralem Inhalt durfte es natürlich auch nicht an hären Mühlenvorbildern mangeln: Pontius Pilatus, der 33 nach Christi Geburt sein Hände in Unschuld wusch, soll der Legende nach aus dem Schoß einer rheinischen Müllerstochter entstammen und selbst sein prominentester Angeklagter, der zum Tod am Kreuz verurteile Jesus von Nazareth, hat man zeitweilig in die Wiege einer Mühle gelegt. Nicht zu vergessen „Caroli Magni“ (der große Karl), das mit den Attributen „magnus et sanktus“ (groß und heilig) gekrönte Haupt, der als Musterexemplar von Omnipotenz und Omnipräsenz das abendländische Christentum vor den Heiden des Nordens rettete, soll zumindest auf einer Mühle gezeugt worden sein.

So ist es dann auch kein Wunder, dass Mühlen den Nimbus von Altären erreichten und im Asylrecht den Kirchen gleichgesetzt wurden. Konnte ein Verbrecher seinen Strafverfolgern entkommen und es schaffen in das Innere einer Mühle zu gelangen, dann durfte er sechs Wochen und drei Tage darin frei sein. Das galt auch, wenn die Tür versperrt war und es ihm lediglich gelang, den Knauf an der Mühlentür zu ergreifen. Nach Ablauf der Asylfrist konnte sie erneuert werden, wenn es dem Verfolgten möglich war, drei Schritte aus der Mühle zu gehen und ohne Verhaftung wieder dahin zurückzukehren. Drei Frauen, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aus der Meisericher- Mühle, unserer letzten Station, jedenfalls aber aus deren näherem Umfeld stammten, nützte das offensichtlich wenig, als sie 1527 wegen Hexerei auf den Scheiterhaufen geschleppt wurden.

Nun schlug der Heilige Geist in drei Varianten auf die zwölf Apostel ein; gemeint sind die drei praktizierten Wasseraufschläge an Mühlrädern, wobei man im Fachjargon von schlächtigen Wasserführungen spricht. Unterschlächtig nennt man jene Technik, wo das Wasser ebenerdig in die Radschaufeln – auch Zwerchbretter genannt – einströmt, wobei allerdings große Wassermengen benötigt und auch nur bescheidene Wirkungsgrade erzielt werden. Weitaus effizienter sind oberschlächtige Räder, die in der Eifel früher mit einer Wasserfallhöhe (Raddurchmesser) zwischen fünf bis acht Metern eingesetzt wurden, aber selten auch mehr als sieben Kilowatt an Leistung erzeugten. Strömt das Wasser in Höhe der Radnabe ein spricht man von einer Mittelschlächtigkeit. Letztgenannte Techniken wurden besonders ab dem 18. Jahrhundert gerne kombiniert, so konnte der Müller damit ohne größere Umrüstung des Mühlengeschirrs mindestens zwei Mahlgänge hintereinander schalten – horizontal drehende Steine zum Mahlen des Getreides oder zum Beispiel vertikal laufende Kollersteine zum Zerquetschen ölhaltiger Früchte.

Nicht nur der Romantik wegen vermissen wir die alten Mühlräder schmerzlich, wurden doch dem abspritzenden Wasser außerordentliche Heilkräfte zugesprochen. Schon 1455 schrieb man, dass davon allerlei Zauberei aber auch Feindschaft ausgehe und besonders gegen Impotenz gut sei: „Wer nit gut Mann gesein mag, dem helfe es, daß er gut Mann mög sein“. Ob sich damit der frühere Kinderreichtum erklären lässt, wissen wir nicht; könnte man sich aber wieder so „betröppeln“ lassen, das Sprichwort: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, würde eine Renaissance erfahren.

Der Mühlenweg im Allgemeinen

Als Ausgangspunkt unserer Wanderung wählen wir den Marktplatz bei (A), wo verschiedentlich Ulmens mittelalterliche Gerichtslinde genannt wird. Einen Zoll-, Stapel- und Marktplatz nennt man zeitgleich im Bereich der Straße „Alter Bahnhof“ (alter Bannhof), der als Marktplatz während des „Aufräumens feudalistischen Gerümpels“ vorübergehend in den Innenraum der Burgruine verlagert wurde. Seit 1861 spielte sich das Ulmener Marktgeschehen dann fast 100 Jahre lang hier ab. Doch wie auch anderswo gehören die hiesigen großen Viehmärkte der Vergangenheit an. So aber Verwaltungen immer die Nähe von Märkten suchten, hat man auch hier an alten Traditionen festgehalten und das neue Rathaus (Einweihung 1999) neben den Marktplatz gebaut. Zuletzt lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf einen kleinen Brunnen am Platzrand, auf den der Ulmener Künstler Gerhard Lenzen (+) einen Burgnarren gesetzt hat. Er kokettiert mit jedem, als wolle er ausdrücken: „Ich verkörpere den Spottnamen aller Ulmener“.

„ Vom Wasser haben wir’s gelernt …,“, fällt uns ab jetzt nicht sonderlich schwer, wenngleich der Ulmener Bach – später Nollenbach – über einige hundert Meter kanalisiert ist. Parallel dazu nehmen wir Fahrt über die „Weidenstraße“ auf und überqueren mit aller Vorsicht eine Verkehrsanbindung zur Bundesstraße 259 in einen ersten links abgehenden Wirtschaftsweg. Hier sichten wir erstmals den Ulmener Bach und die Lehnen-Mühle, allerdings im neuen Kleid aus den Jahren 1984/85, mit früher oft wechselnden Namen am Fuß des „Kappenbergs“. Sie ruht auf den Fundamenten der alten „Talmühle“, die um 1540 von den Ulmener Herren der Kurkölner Fraktion gegründet wurde, nachdem des Trierischen Erzbischofs Kellner zwischen 1536 und 1540 einen Mühlenteich oberhalb der Mühle anlegen ließ. Man erkennt den Damm des Teiches heute noch als Unterbau der zur Mühle hinführenden Straße. 1542 verpachteten die Ulmener Mitherren das Mühlengebäude im Erblehenrecht an ein Gillenfelder Ehepaar und der Trierer Erzbischof dazu das Wasserrecht über den Dellbach, wie der Ulmener Bach damals in der Ortslage genannt wurde, aus dem damals schon angestauten Wasser des heutigen „Junferweihers“. Es wurde als Recht des kleinen Zappen (Wehr) bezeichnet; das Anrecht auf den großen Zappen behielten sich die Burgenherren vor, um einen Wasserschutzgürtel um die westliche Burgenflanke füllen zu können, wie er zum Maarspaziergang näher beschrieben ist. Wohl in Erwartung, dass der Wassergraben infolge häufiger Fehden längere Zeiten geflutet werden musste, wurde ein Pachtnachlass vereinbart, wenn die Mühle länger als acht Wochen still stehen sollte. Das waren wahrhaftig nicht die besten Betriebsvoraussetzungen. Als dann 1689 die Burgen von den Horden des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. zerstört und der Ort nebst der Mühle gebrandschatzt wurden, heißt es: „ Es konnte sich kein Müller dort lange aufhalten, auf der Mühle ist kein bemittelter Müller gestorben, alle sind dort verdorben“. Dennoch werden ab 1700 wieder Pachtverträge geschlossen, wobei die Mühle 1725 den Besitzer wechselte und nach dessen Familienname als „Jakobi- Mühle“ in den Analen erscheint. 1794 kamen wieder französische Soldaten, die eigentlich Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verbreiten sollten. Als die aber wieder gegangen waren, heißt es 1821: „… es besteht nichts als der Bauplatz“. Mehr als 25 Jahre waren die Ulmener nun auf andere Mahlstätten angewiesen, bis der Großgrundbesitzer und Gastwirt Paul Franzen am 24. April 1843 eine Genehmigung zum Wiederaufbau der Mühle mit einem zweischlächtigen Wasserantrieb erhielt. Dann war es wieder das Wasser, das fehlte, nachdem in den folgenden Jahren der Große Weiher (heute Jungferweiher) zunehmend trocken gelegt wurde und als Wasserreservoir nicht mehr zur Verfügung stand. Das Maar als solches zu nutzen und den Wasserweg zur Mühle über den vorgenannten Wasserschutzgraben zu wählen scheiterte an dem Widerspruch der Anlieger. So ließ der Müller nach 1860 einen Tunnel vom Maar durch den Burgberg graben, womit er sich finanziell aber übernommen hatte und die Mühle um die Jahrhundertwende verkaufen musste. Als Lehnen-Mühle erfuhr sie die „Agenda 1924, als der Kreis Cochem ein flächendeckendes Stromnetz installieren ließ, dessen Energieangebot kleine Wasserräder nichts mehr entgegenzusetzen hatten; 1928 wurden hier die Mühlsteine angehalten.

Nach diesem etwas länger gehaltenen Geschichtsplausch setzen wir unsere Wanderung über den ausgewiesenen Wanderweg Nr.1 fort und überqueren die Bundesstraße 259 nach etwa 800 Metern. Knapp 100 Meter weiter teilt sich unser Weg, wobei wir die als Radwanderweg ausgewiesene Route meiden und stattdessen den Weg parallel zum Bachverlauf wählen, der auch als Wanderweg Nr.1 ausgewiesen ist und erreichen nach etwa weiteren 800 Metern die so genannte „Auderather Mühle“, von der wir erstmals 1471 erfahren. Damals gestattete der Trierer Erzbischof Johann v. Baden einem Gelen, Sohn des Heintz und Else von Udenraith (Auderath), eine „Mahlstatt bey unserem Weiher zu Ulmen“ bauen zu dürfen. Als Pfand einer so angenommenen Erbpacht verlangte der Erzbischof dazu „ein huys auf dem kirchoif zu udenraith“, das des Gelen Eltern 1444 „von unserer kirch“, der Klosterabtei Springiersbach, „so auf Nörrin bey udenraith“ ( heute „Auf Nehr“ beim Kloster Waldfrieden) als Erblehen erhalten hatten. 1489 erneuerte die erzbischöfliche Behörde dem Gelen den Mühlenerbpacht-Vertrag, worin es heißt: „… von neuem zu bauen“. Das lässt auf einen Zwischenfall schließen, der uns unbekannt ist, zugleich aber auch die letzte Mühlenerwähnung vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) darstellt. Ab 1654 leisten dann zwei neue Erbpächter Abgaben an die Trierer Hofkammer, bevor den beiden wiederum 1660 ein offizieller Pachtbrief ausgestellt wurde. Daneben gestattete der Trierer Kurfürst den beiden ein beliebiges Stück Land auf der westlichen Anhöhe zu schiffeln (urbar machen) und zu besähen, auf dem später der so genannte „Weinantshof“ gegründet wurde. Sie, oder vielleicht noch ihre Vorgänger, legten nördlich der Mühle einen etwa 4000 Quadratmeter großen Mühlenteich als Wasserreservoir an, weil auch sie mit dem Antriebswasser nicht besser dran waren als ihre Nachbarn in der Ulmener Talmühle (Lehnen-Mühle). 1679 erfahren wir über eine Bilanz der von den französischen Kriegshorden Ludwig XIV. hinterlassenen Schäden, dass jener Weiher aufgegraben und ausgefischt worden sei. Doch die zweite Plünderungswelle jener Horden hatte für die Mühle weitaus schlimmere Folgen. Als der Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann Hugo v. Orsbeck 1705 das Erbpachtrecht erneuerte, teilten nun gleich fünf Erbpächter, deren „zwey aus Ulmen und drey aus Auderath“, dem Erzbischof mit, dass sie bei den Kriegsschäden während der Verbrennung der Stadt Cochem (25. Aug. 1689) um ihre Güter gekommen seien, hätten aber die vom Feind in Grund und Boden ruinierte Mühle wieder aufgebaut. 1725 erfahren wir dann mit dem Matthias Zirwes einen weiteren Erbpächter, der stellvertretend für die anderen Familien zur gesamten Hand versteuert wurde. Jahre später zieht es ihn allerdings mit einem Teil des großen Familienverbundes auf den vorgenannten „Weinantshof“, beziehungsweise in eine Mühle auf der anderen Bachseite etwa einen Kilometer bachabwärts. Das muss vor 1781 gewesen sein, als die Mühle für 850 Reichstaler in Erbpacht an einen neuen Betreiber ging. Zuletzt war es eine Familie Hürter, die 1920 das Wasser endgültig von den Radschaufeln nahm.

Knapp 200 Meter hinter der Auderather Mühle überbrückt der so genannte „Filzer Steg“ bei (4)den Nollenbach, wo uns Mutter Erde eine aufschlussreiche Seite ihres umfangreichen Geschichtsbuches aufgeschlagen hat. Innerhalb eines mechanisch freigelegten Sandsteinmassivs im Talabhang finden sich dichte Lagen versteinerter Brachiopoden (Armfüßler) des frühen Devons, die uns an die Zeit erinnern, als die Eifel noch von einem Meer überflutet war. Mit etwas Glück lassen sich immer wieder kleinere Bruchstücke der versteinerten Brachiopoden finden. Mit einem solchen Tagesandenken in der Tasche setzen wir unsere Wanderung auf der Mühlenseite bachabwärts fort.

Ab jetzt schnüren die Seitenhänge das Tal immer mehr ein. Hoch oben, in einer von hier schwer zugänglichen Lage des so genannten „Nollenbergs“, finden sich heute nur noch Kellerreste vom vorhin erwähnten „Weinantshof“, der wegen seiner Lage manchmal auch „Villa Nollenberg“ genannt wurde. Hier aber eine Hofgeschichte aufzeichnen zu wollen würde nur ermüden, weil die auch über einen Rekonstruk- tionsversuch nicht hinausgehen kann. Be- schränken wir uns deshalb lediglich darauf, dass der Hof um 1890 aufgelassen wurde und auf die Eigenart, dass die Hofleute geografisch zwar zur Pfarrei Ulmen gehörten, seelsorgerisch aber von der Pfarrei Wollmerath betreut wurden. Möglicherweise lag das an wirtschaftlichen Standortinteressen hinsichtlich einer Gemeinschaftsmühle auf der anderen Bachseite in der Gemeinde Filz (Pfarrei Wollmerath). Aber auch hier lässt uns die Geschichtsabfolge über weite Strecken im Stich. Eigentlich weiß man nur, dass die Mühle wie auch der Weinantshof vom Familienverbund auf der Auderather Mühle gegründet wurde, wobei wir uns ergänzend auf eine Urkunde aus dem Jahr 1693 stützen. In dem Jahr verpachtete eine Erbin der Haust v. Ulmen der Gemeinde Filz hier ein „Stück wilden Landes“, wobei zum Pachtzins unter anderem die jährliche Lieferung eines Sümmers „rein Haferen Breimehls“ (Haferflocken) vereinbart wurde. Nun war das ein Produkt, das man nur von einem Müller erwarten darf, uns aber auch dahin führt, dass es sich um eine Follmühle gehandelt haben muss, in der möglicherweise nach 1720 insbesonders ölhaltige Früchte (z.B. Leinöl) gequetscht wurden, was wiederum der mündlich überlieferte Mühlenname „Leintgesmühle“ bestätigen mag. Daneben ist manchmal auch von einer „Nothelfermühle“ die Rede – eine Bezeichnung, die auch auf guten Gründen beruht: Bekanntlich hatten sich die Müller auf der Auderather Mühle, die zum Teil ja identisch mit jenen auf der Leintgesmühle waren, wegen des oft spärlich zulaufenden Bachwassers einen Teich als Wasserreservoir angelegt. Was lag nun näher, als mit dem daraus entnommenen Wasser zwei Mühlräder anzutreiben; das heißt, dass die Nothelfermühle vom abgehenden Wasser der Auderather Mühle abhängig war. Doch ähnlich nebulös wie der Mühlenanfang so liegt auch eine dicke Lage Geschichtsschutt über ihrem Niedergang. Widersprüchlichen Überlieferungen zufolge soll die Mühle 1846 abgebrannt sein und der damalige Müller hätte eine neue Mühle am Endertbach bezogen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass eine Naturkatastrophe ihre Auflassung herbeiführte. Lesen wir dazu die Aufzeichnung eines Ulmener Pfarrers: „Den 21ten Juli 1804) hat es bey 30 Stunden lang gedonnert und so häufig geregnet, daß der hiesige Talbach (Ulmener Bach) so hoch aufgeschwollen als bey Menschengedenken nie gewesen ist. Der ganze Wiesengrund unter Ulmen, wie derselbe unter Meyserich (Ueßbach) war ganz mit Wasser aufgefüllt und einem großen schiffbaren Strome gleich (…) Es ist schrecklicher als ich es hier beschreiben kann“. Folglich muss sich eine Wasserwelle mit brachialer Gewalt durch das enge Nollenbachtal ergossen haben, die einem Fachwerkbau keine Chance ließ und dessen Wiederaufbau nie mehr in Erwägung gezogen wurde, weil gut 1000 Meter weiter eine wesentlich leistungsfähigere Foll- oder Kollermühle gebaut wurde.

20 Minuten später erreichen wir den Zusammenfluss des Nollenbachs mit dem Ueßbach, halten uns dort an den rechtsabgehenden Weg und treffen nach weiteren 10 Minuten auf die „Mais-Mühle“. Sie erinnert an die glorreiche Grande Nation der napoleonischen Epoche, als Napoleon die Gewerbefreiheit einführte und militärisches Leinen und Leder zu äußerst begehrenswerten Bedarfsgütern wurden. So wird die Mühle auch erstmals in der Karte des französischen Ingenieur-Geographen Tranchot 1810/11 vorgestellt. Unter „Preußens Gloria“ erhält sie am 14. Dezember 1817 eine amtliche Notiz im Mühlenverzeichnis und wird dort als „Fullmühle“ bezeichnet. Full- oder Follmühlen wurden jene Mühlen genannt „… worin Leder, Tuch, Leinwand und Schälrinden (Lohrinden) gewalkt, das ist gestampft und zur gehörigen Lindigkeit oder Güte gebracht“, aber auch pflanzliche Öle hergestellt wurden. Diese Mühle stand allerdings auf der dem Ueßbach zugewandten Wegeseite und wurde Ende der 1980er Jahre wegen Baufälligkeit abgerissen. Über der Hauseingangstür des jetzigen Gebäudes erfährt man das Baujahr 1859, hingegen der Bau aber erst 1861 amtlich genehmigt wurde, was vermutlich auf den Versuch eines der Behörde zu verheimlichenden Neubaus hinweist. Insgesamt molterte die Familie Mais – die der Mühle auch den Namen gab – auf beiden Mühlen über knapp 140 Jahre, bis der letzte Familienspross im Kriegsjahr 1943 den „Roten Hahn“ aufs Dach setzte und Stall, Scheune sowie ein separat stehendes Backhaus einäscherte. Der Wohntrakt wurde unbewohnbar und zerfiel anschließend zusehend, bis das Gebäude über Umwegen 1984 wieder in Ulmener Privatbesitz kam und vorbildlich renoviert wurde. Bestrebungen, neuerdings auch wieder ein Mühlrad unter Wasser zu stellen, scheiterten unverständlicherweise am Einwand der dafür zuständigen Behörden.

Die Kompassnadel gibt uns die weitere Richtung nach Norden vor. Beschreitet man die im Frühsommer erlebt man innerhalb einer herrlichen Auenlandschaft eine Blütenpracht heimischer Wildblumen, wie sie sonst kaum mehr anzutreffen ist. Sie begleitet uns bis zum Stadtteil „Meiserich“, den wir 45 Minuten später erreichen, wo die Gaststätte Kutscheid eine Zwischenrast bietet. Ihr gegenüber erhebt sich trutzig die Ulmener Filialkirche St. Anna bei (8), die einer urkundlichen Erwähnung zufolge schon 1424 eine Vorgängerin gehabt haben muss. Um 1515 kam es zu einem Neubau durch die Ulmener Herren der Kölner Fraktion (Erzbistum Köln), der 1521 vom Kölner Erzbischof feierlich konsekriert wurde. Als sie 1793 durch Blitzeinschlag fast völlig zerstört wurde, hat man sie noch im gleichen Jahr, jetzt aber im größeren Grundriss, wieder aufgebaut. Im einfach gehaltenen Innenraum weckt der Hochaltar unser Interesse: Zwei grundverschiedene Stilrichtungen vereinen sich zu einer Einheit, denen man bei aller künstlerischen Sensibilität ein bemerkenswertes homogenes Gesamtbild bestätigen muss. Während der Altaruntersatz mit der Jahreszahl 1585 von einem Künstler der Spätrenaissance geschaffen wurde, erkennt man im Altaraufsatz ein deftiges Barock des 17. Jahrhunderts. Die darin enthaltene Dominanz von Marienbildnissen führt uns zu einer besonderen Verehrung der Mutter Gottes und ihrer Heilsprechung, was die Kirche zur Gnadenkapelle eines Wallfahrtsortes werden ließ. Darin erfährt sie am 1. Februar 1748 eine offizielle Bestätigung durch die bischöfliche Behörde in Köln. Offensichtlich war aber nicht jede Bittprozession heilsuchender Gläubiger vom himmlischen Frieden, beziehungsweise von einer sakralen Heilung erfüllt. 1727 musste der Ulmener Gerichtsschultheiß und ein Wundarzt mit profanen Mitteln heilend helfen, nachdem es innerhalb einer Pro- zessionsgemeinschaft aus dem Kirchspiel Ueß (Quellgebiet des Ueßbachs) zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war, die dann vor der Kirche in eine wilde Keilerei ausartete.

Der Gläubigen ehemaliger Pilgerweg dient nun unter der Autobahnbrücke hindurch unserer weiteren Wanderung, wo wir uns nach Passieren der Tunnelröhre an dem rechts abgehenden Weg orientieren und nach wenigen Minuten die „Meisericher Mühle“ erreichen. Wie die beiden Mühlen am Nollenbach, so war auch die Meisericher Mühle ein Kondominalgut, das heißt, dass mehrere Erbpächter Nutznießer waren und Anteile innerhalb der Familie weiter vererbt, verpfändet oder verkauft werden konnten. In dem Rahmen hinterlässt uns die Meisericher Kirchen- geschichte einen tendenziösen Beigeschmack, der sich kaum neutralisieren lässt. Zwischen den Jahren 1521 und 1527 verpfändete einer der Mühlenerbständer aus unbekannter Zwangsmaßnahme seinen Anteil an die Meisericher Kirche. Obwohl im Vertragstext ein Rückkaufrecht vereinbart wurde, kam es dazu nicht mehr. Nun erlebte Ulmen während dieser Jahre zwei Hexenprozesse, die damals für die Ankläger ein probates Mittel waren, sich der Angeklagten Vermögen oder sonstige Vergünstigungen anzueignen. 1527 wurden, wie schon wenige Jahre zuvor, drei Frauen der Hexerei angeklagt und nach peinlicher Befragung (Folter) deren Abfall vom christlichen Glauben, Zauberei und Tötung von Leuten und Vieh festgestellt. Als damals logische Folgerung wurden sie am Donnerstag nach Aschermittwoch, wie es geschrieben steht, mit dem Feuer zu Tode gebracht. Diese Frauen lassen sich wiederum ziemlich sicher dem Meisericher Mühlenmilieu zuordnen, und die Kirche konnte bereits wenige Jahre später ihren Mühlenanspruch so festigen, dass sie dort mit einem neuen Haus aufwarten konnte und das einem Frühmessner für zusätzlich zu haltende Sonntagsmessen überließ. Bezeichnenderweise erscheint jener Priester 1538, ein Jahr vor dem nächsten Ulmener Hexenprognom, auch als hoher Finanzbeamter des Trierer Erzbischofs in Ulmener Steuerlisten. Die anderen Mühlenanteile verblieben offensichtlich immer im Lehensrecht verschiedener Ulmener Adelsfamilien, die im Vasallentum des Kölner Erzbischofs standen, wobei die letzten derer v. Wiltberg zu Ulmen zuletzt 1791 Mühlenpachten verzeichneten. Vermutlich wurden diese Mühlenanteile von den Franzosen säkularisiert, denn 1802 erfahren wir einen neuen Eigentümer, der offensichtlich 1808 ein neues Gebäude errichtet hat. Dessen Enkel verließ die Mühle als Müller um 1859, um sich mit seiner Familie der Auswanderungswelle nach Amerika anzuschließen. So blieb es der Witwe des letzten Eigentümers (jetzt Gesamteigner) namens Hens vorbehalten, im Kriegsjahr 1942 das Mühlrad unter das Trockene zu stellen. Weitere Details und Namen sind auch im Kreisjahrbuch Cochem– Zell 2012, ab Seite 183 zu erfahren.

Kurz hinter der Mühle verlassen wir den Wanderweg Nr.1 und schlagen den ersten Waldweg in Richtung Nordost ein, über den wir nach etwa 20 Minuten den Ulmener Sportplatz erreichen. Zwischen dessen Parkplatz und der Kreisstraße Nr.1 gelangen wir zum Wanderendpunkt im Zentrum des Eifel-Maar-Parks. Durch die Stadt und entlang verschiedener Einkehrmöglichkeiten erreichen wir nach knapp zwei Kilometern wieder unseren Ausgangspunkt.

Manfred Dietzen
 
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